Quelle:Auszüge aus der Enzyklopädie der klinischen Diätetik des Hundes v. Royal Canin

Urolithiasis wird definiert als die Bildung von Sedimenten im Harntrakt, zusammengesetzt

aus einem oder mehreren Kristalloiden geringer Löslichkeit. Die mikroskopischen Sedimente werden als Kristalle bezeichnet, die größeren, makroskopischen Sedimente werden als Urolithen oder Harnsteine bezeichnet.

 Urolithiasis ist ein häufiges Problem bei Hunden. Harnsteine können sich grundsätzlich in jedem Abschnitt des Harntraktes bilden, obgleich beim Hund die Harnblase am häufigsten betroffen ist.

Eine Urolithiasis ist bei etwa 18 % aller Hunde mit Erkrankungen der ableitenden Harnwege der Anlass für den Tierarztbesuch (Abbildung 1)

Die vier beim Hund am häufigsten nachzuweisenden Harnsteintypen sind:


Seltenere Harnsteintypen

 Kalziumoxalat und Struvit sind die Haupttypen der Nierensteine (Ross et al., 1999).

 Die Inzidenz der Urolithiasis und die Zusammensetzung der Harnsteine können von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden,

(Ling, 1998).

Der Nachweis der im Einzelfall vorliegenden Risikofaktoren ist die Voraussetzung für eine wirksame Behandlung und Prävention von Harnsteinerkrankungen.

Harnsteine haben oft eine hohe Rezidivrate. Dies hat zur zunehmenden Anwendung der diätetischen Behandlung geführt, zum einen, um Harnsteine aufzulösen und zum anderen, um ihrer Entstehung vorzubeugen, obgleich einige Harnsteine leichter aufzulösen sind als andere.

Diagnose

Anamnese und klinische Symptome

Die Symptome einer Urolithiasis gehen hauptsächlich auf eine Reizung der Schleimhaut der ableitenden Harnwege zurück, die sich klinisch in Form einer Zystitis und / oder Urethritis äußert.

Die häufigsten klinischen Symptome sind Hämaturie, Dysurie und Pollakisurie.

In einigen Fällen führt die Urolithiasis zu einer Harnröhrenobstruktion, die einen medizinischen und chirurgischen Notfall darstellt.

Nierensteine können zudem für eine Pyelonephritis, eine Harnabflussbehinderung, eine Reduzierung der Nierenmasse, eine Azotämie und eine Niereninsuffizienz verantwortlich sein. Gelegentlich sind betroffene Hunde auch klinisch asymptomatisch

Differenzialdiagnosen

Die Differenzialdiagnosen bei Hämaturie, Dysurie, häufiger Miktion mit oder ohne Harnröhrenobstruktion umfassen Harnwegsinfektionen, Polypen und Neoplasien. Die Unterscheidung erfolgt mit Hilfe bakterieller Harnkulturen und Bild gebender Diagnoseverfahren.

Struvitsteine haben bisher überwogen. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre hat jedoch die Prävalenz der Kalziumoxalatsteine zugenommen, während die der Struvitsteine gesunken ist. Dennoch dominieren auch heute noch die Struvitsteine (Ling et al., 2003).

Differenzialdiagnosen

Harnanalysen, eine quantitative bakteriologische Harnuntersuchung und Bild gebende Untersuchungen (Leer- und Doppelkontraströntgenaufnahmen und/oder Ultraschall) sind notwendig, um die Diagnose einer Urolithiasis zu bestätigen und gleichzeitig nach prädisponierenden Faktoren zu suchen.

 Die Analyse der biochemischen Serumparameter ist hilfreich, um begleitende Störungen oder Erkrankungen abzuklären und die Nierenfunktion bei Hunden mit Nierensteinen zu überprüfen. Mit Hilfe einer chemischen Analyse des Harns können übermäßige Mengen eines oder mehrerer im Harnstein vorhandener Mineralstoffe nachgewiesen werden.  

Harnanalyse

Bei der Harnanalyse kann im typischen Fall eine Entzündung mit Proteinurie, Hämaturie und Pyurie

nachgewiesen werden.

Harn-pH-Wert variiert in Abhängigkeit vom Harnsteintyp, dem vorhandensein oder Fehlen einer Infektion und der Ernährung.

Im Allgemeinen gehen

Eine Kristallurie kann ohne Urolithiasis vorliegen, und eine Urolithiasis kann ohne Kristallurie bestehen.

 Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Kristalle nicht unbedingt repräsentativ für den Harnsteintyp sind, da ihre Bildung auch durch eine Infektion mit Urease-positiven Bakterien beeinflusst werden kann, die möglicherweise die Entstehung von Struvitkristallen fördert.

  Ammoniumuratkristalle können auf einen portosystemischen Shunt hinweisen, und Cystinkristalle sind pathognomonisch für eine Cystinurie.

Die Anwesenheit von Kristallen ist abhängig vom pH-Wert, der Temperatur und der Mineralstoffkonzentration im Harn. Harnproben sollten deshalb innerhalb von 30 Minuten nach ihrer Entnahme untersucht werden und dürfen nicht eingefroren werden.

 Harnkultur

Kulturelle Harnuntersuchungen mit Antibiogramm sollten systematisch bei allen betroffenen Hunden durchgeführt werden, um primäre oder sekundäre Harnwegsinfektionen abzuklären.

Eine bakteriologische Untersuchung des inneren Teils der Harnsteine kann ebenfalls hilfreich sein, da sich die im Harn vorhandenen Bakterien von den im Inneren der Steine eingeschlossenen unterscheiden können (Osborne et al., 1995).

Wenn der Harnstein per Zystotomie entfernt wird, empfiehlt es sich, gleichzeitig eine Biopsie der Blasenschleimhaut für eine kulturelle bakteriologische Untersuchung sowie einen Resistenztest zu entnehmen, da diese Methode aussagekräftiger ist als eine Harnkultur (Hamaide et al., 1998).

 
Bild gebende Diagnoseverfahren

Röntgenaufnahmen und/oder eine sonographische Untersuchung sind angezeigt, um das Vorhandensein von Harnsteinen nachzuweisen und ihre Lokalisation, ihre Anzahl, ihre Größe, ihre Strahlendichte und ihre Form zu verifizieren.

Mit Hilfe abdominaler Röntgenaufnahmen oder der Sonographie sind jedoch nur Steine einer Größe über 3 mm nachweisbar.

Uratsteine sind am strahlendurchlässigsten, und ihr Nachweis erfordert im Allgemeinen eine Doppelkontrastzystographie. Retrograde Kontrastuntersuchungen sind erforderlich, um Harnröhrensteine nachzuweisen, und im Falle eines Verdachts auf Nierensteine bietet sich eine Ausscheidungsurographie an.

 Eine Zystoskopie setzt eine spezielle apparative Ausrüstung und eine Allgemeinanästhesie voraus, sie kann sich aber als ein sehr wertvolles Hilfsmittel zur Bestätigung einer Urolithiasis und auch für das Entfernen kleiner Steine aus der Blase oder der Harnröhre erweisen (Cannizzo et al., 2001).

 

Analyse der Harnsteinzusammensetzung

Harnsteine können durch:

 

Die Zusammensetzung der Steine sollte nach Möglichkeit mit Hilfe quantitativer physikalischer Analysen bestimmt werden, da diese zu sehr viel genaueren Ergebnissen führen als qualitative chemische Analyseverfahren. Harnsteine können aus mehreren verschiedenen Mineralstoffen bestehen, und unter Umständen sind bei gemischten Harnsteinen Mineralstoffanalysen Schicht für Schicht erforderlich.

Die Steine dürfen deshalb vor der Analyse nicht zerbrochen werden. Die auslösende Ursache der Urolithiasis wird durch die Untersuchung der Mineralstoffzusammensetzung des Kerns (Nukleus) bestimmt, die sich von der Zusammensetzung der äußeren Schichten unterscheiden kann (Osborne et al., 1999c).

  Merke

Die Bestimmung der Mineralstoffzusammensetzung der Urolithen ist die entscheidende Voraussetzung für eine spezifische Therapie und die gezielte Prävention von Rezidiven. Die zuverlässigste Methode ist die Durchführung quantitativer Analysen in einem spezialisierten Labor.

Vorhersage des Harnsteintyps

Eine wirksame Auflösung von Harnsteinen ist abhängig von der genauen Kenntnis ihrer Mineralstoffzusammensetzung. Im Idealfall werden Konkremente gewonnen und im Labor analysiert, und zahlreiche Faktoren können dabei helfen, die Zusammensetzung der Steine vorherzusagen